Kapitel 2

Der Strandritt

So gerne hätte Julia Anne alles erzählt, was ihr auf der Seele brennt, aber sie hatte einen ungünstigen Moment erwischt. Ihre Chefin musste zum Einkaufen fahren und hatte keine Zeit gehabt. Julias Gedanken sind bei dem gestrigen Strandritt, während sie allein mit einer heißen Tasse Tee in der Hand in der Reiterstube sitzt. Sie muss an ihre Arbeitskollegin Alina denken, die praktischer Weise auch ihre beste Freundin ist. Aber es sind Alinas Freunde gewesen, die sie in Schwierigkeiten gebracht hatten.
„Als ob mein Tag nicht voll genug ist? Anne hat mir schon so häufig gesagt, dass ich keine Reitanfänger auf den Strandritt mitnehmen soll“, denkt sie. Vor Julias innerem Auge spult sich noch einmal das gestrige Desaster ab.
„Was für eine Schnapsidee! Wie konnte ich mich nur von Alinas Freunden überreden lassen, sie mitzunehmen! Aber wenn man sich bequatschen lässt, ist Ärger vorprogrammiert!“ In der Erinnerung sah sie Karl Brinkmann, einen aus dieser Truppe gelangweilter Zwanzigjährigen, vor sich. Der wohlgenährte Student schüttelte seinen Kopf und lachte verunsichert, denn er fühlte sich sichtlich unwohl auf seinem Pferd. Sein breites Gesicht wurde von welligen, dunkelblonden Haaren eingerahmt. Es sollte sein erster und letzter Aufenthalt auf dem Rücken eines Pferdes sein. Sein XL-Outfit mit Sportschuhen war vielleicht ideal, um im Urlaub abzuhängen, aber für einen Ausritt ungeeignet. Mit seinen Sneakers fand er keinen Halt in den Bügeln, und die Nähte seiner Jeans scheuerten in den Innenseiten seiner Beine.
Karl Brinkmann, der auf seinem Pferd wie auf einem Stuhl saß und leider nicht wie ein Reiter, schaute zu ihr hinüber: „Du hast Recht, Julia, es war richtig für mich, den Strandritt abzubrechen.“
„Ja, nur dass jetzt die anderen auf mich warten müssen. Das hätten wir uns alle sparen können! Aber ihr habt geflunkert: Ihr könnt leider überhaupt gar nicht reiten.“
Karl war von ihnen der unsportlichste und hatte folglich die größten Probleme.  Als er sich zum Rest der Gruppe umdrehte, die ein Stück zurückgeblieben war, rutschte er leicht aus dem Sattel.
„Pass auf, du hängst schief auf dem Pferd!“ Sie sah noch, wie der geduldige Abano stehen blieb, Karl einen letzten Versuch unternahm, sein Gleichgewicht wiederzufinden, bevor er in voller Länge dumpf auf dem Boden aufschlug.  Nach einer Schrecksekunde musste Karl lachen und sie mit ihm.
„Du tust uns allen einen Gefallen, wenn du Abano am Zügel zurück zum Stall führst. Du kannst im Reiterstübchen warten. Übergib Abano an Fiete, ich schicke ihm eine Nachricht, damit er Bescheid weiß.“
Mit diesen Worten wendete sie ihre Hannoveraner Stute, galoppierte an, und zog eine Staubwolke hinter sich her. Zwei Minuten später wurde sie ungeduldig von ihren ‚Pferdemädels‘ begrüßt, die schon heiß darauf waren, am Strand zu galoppieren. Alles wäre so wie bei jedem anderen Strandritt gewesen, aber diesmal waren ja Karls Freunde, Anna, Katharina, Felix und Jan mit dabei. Nur die beiden Frauen trugen Reithosen und Reitstiefel, während Jan und Felix mit Jeans und Turnschuhen unterwegs waren.
„Endlich geht es weiter, nachdem Karl von Mama weggebracht worden ist“, hörte sie Jan höhnen, „der hätte sich sonst noch umgebracht.“ Jan schien der Anführer der Truppe zu sein.
„Ein echter Kotzbrocken“, dachte sie und beschloss, sich nicht provozieren zu lassen.  „Reite du im Trab bis zu den Dünen mit Dagano voran, Jasmin, danach Schritt, ich mache die Nachhut.“
„Was würde ich nur ohne sie machen?“ fragte sie sich, denn Jasmin kam jeden Sommer, und es war mindestens ihr 50. Strandritt. Sie kontrollierte, als alle an ihr vorüberritten, ob sie noch einen von ihnen aussortieren musste. Als erstes nahm sie die beiden Mädels unter die Lupe. Katharina war eher der sportliche Typ, aber auch Anna machte sich gut auf ihrem Pferd, beide sind offensichtlich schon mal geritten. „Auf die muss ich nicht aufpassen, die kommen klar.“
„Felix, leg‘ deine Hände vorne auf dem Sattel ab, sonst reißt du bei jedem Schritt mit dem Zügel deinem Pferd im Maul herum.“ Felix machte kein gutes Bild, aber hielt sich immerhin oben. Seine weichen Gesichtszüge harmonierten mit seinen großen hellbraunen Augen.
„Ihm fehlt das Gefühl für den Takt, wie häufig bei Männern. Hat aber einen guten Gleichgewichtssinn.“  Sie wartete noch auf Jan, bevor sie ihre Stute antrabte. Zu ihrem Bedauern stellte sie fest, dass das Großmaul mit den kurzen dunkelblonden Haaren nicht nur gut aussah, sondern auch das nötige Körpergefühl zum Reiten besaß. Er hatte sich nur etwas zu weit nach vorne gelegt, was typisch ist für Reitanfänger. Sie sagte aber nichts zu ihm. Diese Sorte Mann musste erst einmal auf die Fresse fliegen, um zu lernen. Ratschläge waren vergeudete Energie. Als die Gruppe im Schritt durch die Dünen ritt, beobachtete sie, wie Jan zu Anna aufschloss, und als er auf der Höhe von Anna war, beugte er sich zu ihr herüber.
Sie hörte wie Jan sagte: „Komm, Anna, gib mir einen Kuss.“
Anna lachte: „Dafür, dass du das erste Mal reitest, bist du ganz schön übermütig.“ Anna drehte sich zu ihm und küsste ihn.
„Der hat nur Flausen im Kopf!“ schoss es ihr in den Kopf.
„Trauen sich alle einen Galopp zu?“ fragte sie, als die Gruppe den Strand erreichte. „Wenn nein, dann bitte jetzt absteigen und das Pferd an den Zügel nehmen, wir sind in spätestens zehn Minuten wieder zurück.“
Erwartungsgemäß wollte keiner absteigen. „Na dann los!“ sie galoppierte an, ihre Gruppe hinterher. Jan machte Anstalten, sie überholen zu wollen, trieb sein Pferd an und sie hörte, wie er rief: „Schneller! Schneller!“
„Du ziehst nicht an mir vorbei“, dachte Julia, als sie plötzlich einen Aufschlag hörte. Sie parierte ihre Hannoveraner Stute Fabella zum Schritt durch und drehte sich um. Zu ihrer Überraschung war es Alinas schlaksiger Freund Felix, der auf dem Boden lag. Insgeheim hatte sie gehofft, dass es Jan wäre. Schnell war Felix umgeben von einer Schar mitleidiger Gesichter. Es musste ihn gerade nach vorne aus dem Sattel geworfen haben.  Sie ritt mit Fabella zu Felix hinüber und beugte sich über ihn.
„Es ist nichts“, sie stieg ab, hielt Felix Pferd am Zügel fest und schaute zu ihm herunter. „Jasmin, reite mit den anderen im Trab weiter, ich komme mit Felix hinterher.“
Seine langen Arme und Beinen schienen den Sturz ohne größere Blessuren überstanden zu haben. Sie streckte ihm ihre Hand hin: „Versuch aufzustehen!“
Vom Sturz noch ein wenig benommen, zog er sich an ihrer Hand hoch.
„Tut was weh?“
„Nur die Schulter.“ Felix fasste mit einer Hand an die Stelle, mit der er den Boden als erstes berührt hatte. „Wie ist das denn passiert?“
„Wahrscheinlich hast du den Rhythmus verloren“, vermutete sie. „Kommt schon mal vor. Meinst du, dass du wieder aufsteigen kannst?“
„Ist kein Problem“, sagte Felix schnell, er wollte sich vor den anderen nicht die Blöße geben, abgeholt werden zu müssen.
„Okay, dann helfe ich dir jetzt in den Sattel und reite mit dir im Schritt zurück, die anderen können mit Jasmin schon vorreiten.“
„Ich hab’ noch mal Schwein gehabt, dass ich ohne Notarzt klar gekommen bin!“ Julia trinkt einen Schluck von ihrem Tee. „Zwei Stürze bei einem Ausritt! Davon einer aus vollem Galopp!“ Sie kann sich nicht daran erinnern, dass ihr das schon mal bei einem Strandritt passiert ist. Julia zwingt sich, das Ganze zu vergessen, zu mindestens für den Moment. Sie zieht ihr Handy aus der Tasche. Mit einem Lächeln macht sich Julia Jansen daran, ihrem nervigen Pferdefutterlieferanten einen Tritt in den Hintern zu geben.
Als Felix Petersen endlich zum Stall zurückkehrt, wird er schon ungeduldig erwartet.
„Ach sieh an, auch wieder zurück. Und wie schmeckt der Sand?“ begrüßt ihn Jan, der an der Wand der Reithalle lehnt und eine Zigarette raucht.
Felix Petersen kontert schnell, da er mit einem solchen Spruch gerechnet hat: „Ich habe den Strandritt wenigsten in vollen Zügen genossen! Während ihr hier rumgegammelt habt, hatte ich noch Action.“
„Hast du wieder Fallübungen gemacht? Oder hat Mama dich diesmal oben festgehalten.“
„Lass mal gut sein, Jan! Dafür, dass Felix das erste Mal auf einem Pferd sitzt, hat er sich gut gehalten“, mischt sich Katharina Detlefsen ein. Sie hat naturblonde, lange Haare. Mit ihren intensiv blauen Augen und ihrem schmalen Gesicht entspricht sie genau dem nordischen Typ.
Jedes Jahr treffen sich die Fünf, Anna, Katharina, Jan, Karl und Felix, in den Sommerferien. Die Eltern von Jan und Karl teilen sich ein Ferienhaus auf der Insel, weshalb die beiden sich schon Jahre kennen. Katharina, Felix und Anna sind erst später dazu gekommen. Jan Popien ist 19 Jahre und studiert in Berlin Politikwissenschaften, allerdings ohne großes Engagement.
„Okay, du hast Recht, Katharina, der Strandritt ist abgehakt. Lasst uns dann aber mal bequatschen, was wir heute noch unternehmen könnten“, Jan dreht sich zu Anna und streichelt ihre dunkelblonden, langen Haare. Vor drei Jahren ist Anna Simon auf der Bildfläche erschienen, die kleinste in Jans Clique und immer gut gestylt. Sie hat weibliche Rundungen, ohne dabei mollig zu sein. Beeindruckend sind ihre ausdrucksstarken blauen Augen. Sie ist Berlinerin, und ihre Eltern führen ein Promi-Fotostudio am Kurfürstendamm. Karl lernte Anna damals in Berlin kennen, verliebte sich in sie, war aber bei ihr abgeblitzt. Dass Anna und Jan dann kurz darauf ein Paar wurden, hat Karl Jan nie verziehen.
Jan und Anna fangen an zu lachen, bis Jan mit einer leicht spöttischen Stimme sagt:  „Was haltet ihr davon, wenn wir heute mal ein geheimnisvolles Haus besuchen? Die Besitzerin ist verreist.“
„Wir spielen Sherlock Holmes! Eine sehr gute Idee“, platzt es aus Katharina heraus.
„Ich finde das überhaupt keine gute Idee!“ mault Karl. Anna und Jan lachen immer noch.  Karl zieht die Schultern hoch: „Das kann doch böse ins Auge gehen, Jan.“
Jan zündet sich eine neue Zigarette an und ohne Karl eine Antwort zu geben, sagt er:  „Wir sind jetzt beim Reitstall. Und der gehört Anne Merz? Felix kennt sich hier bestens aus. Hier arbeitet seine Freundin Alina.“
„Ja, das stimmt, Anne Merz ist die Besitzerin und weiter?“
„Wollt ihr Action? Die können wir heute haben!“ In Jans Augen ist ein Funkeln zu sehen.
„Okay, und welches Haus möchtest du besuchen? Und was ist daran so spannend?“ fragt Felix.
„Halt mal die Luft an, eins nach dem anderen.“ Jan nimmt sich Zeit, sich in Szene zu setzen und fährt mit einer Hand durch seine kurzen dunkelblonden Haare.
„Ich interessiere mich für Anne Merz. Für diese Frau, die hier vor gut einem Jahr aufgetaucht ist.“
„Warum denn das?“ Karl schaut zu Anna hinüber.
Jan beachtet ihn nicht weiter und wartet, bis sich alle Augen wieder auf ihn richten. „Wir statten ihrem geheimnisvollen Privathaus einen Besuch ab, rein zufällig, jetzt, wo wir schon mal hier sind. Ich weiß, wo der Schlüssel ist, und die Besitzerin und ihr Soldat sind verreist.“
„Sag mal Jan, so was nennt man Einbruch! Bisher waren wir noch nicht unter die Einbrecher gegangen, oder?“ meldet sich Karl zu Wort.
Jans Miene verfinstert sich, und er ballt seine Hand zur Faust.
„Mach hier nicht auf Spielverderber“, entgegnet Anna, und sie muss lächeln: „Außerdem ist es nicht Jans Idee gewesen, jedenfalls nicht von ihm allein. Was meinst du denn mit Einbruch, das ist doch voll übertrieben. Lass mich bitte ausreden!“ Sie hält den Zeigefinger an ihre Lippen und bringt ihn so zum Schweigen. Dann dreht sie sich zu den anderen um: „Das wird kein Einbruch, sondern nur ein Besuch rein aus Neugier. Natürlich ist auch ein gewisses Risiko dabei, aber das ist ja gerade der Nervenkitzel. Dadurch wird das Leben doch erst spannend!“
Katharina wird ungeduldig: „Warum wollt ihr gerade in dieses Haus einsteigen?“ Sie ist die einzige von ihnen, die auf Sylt aufgewachsen ist.
Anna lächelt anzüglich: “Weil diese Pferdefrau auch mal einen Afghanistan-Krieger in ihr Bett lässt.“
Felix hat seinen Freunden missmutig zugehört und gehofft, sich an dieser Diskussion nicht beteiligen zu müssen. „Meine Freundin arbeitet hier. Da ist der Ärger schon absehbar! Wenn die Pferdefrau spitz kriegt, dass wir in ihr Haus eingedrungen sind, fällt der Verdacht doch gleich auf Alina!“
„Sie wird es nicht herausbekommen! Außerdem brauchst du ja nicht mit uns ins Haus reingehen. Deine Entscheidung, Felix“, stellt Anna ungeduldig fest, die ihn oft ziemlich langweilig findet.
Felix schnaubt genervt, und diesmal ist es Jan, der eingreift.  „Also Alter, alles in Ordnung. Es wird keine Probleme für Alina geben.“
„Ich weiß immer noch nicht, was euch gerade an diesem Haus so interessiert“, wirft Katharina ein.
Annas Augen leuchten: „Die Gelegenheit ist günstig, weil Frau Merz mit ihrem Soldaten auf dem Festland unterwegs ist. Ich glaube, sie wollen ein Pferd holen. Das hat Alina erzählt.“
„Lasst Alina da raus!“ ruft Felix wütend.
„Sie arbeitet doch heute gar nicht“, entgegnet Jan kühl.
Anna fährt unbeeindruckt fort: „Als die Pferdefrau den Stall vor einem Jahr übernommen hat, haben alle blöd geschaut. Das ganze riesige Anwesen soll jetzt ihr gehören, und dabei ist sie erst 27! Und dann hat sie diesen ehemaligen Bundeswehr-Soldaten, Christian Schmidt, der in Afghanistan war, als Reitlehrer eingestellt. Der hat angeblich nicht die Ausbildung für diesen Job! Aber Christian hat – glaube ich – ganz andere Qualitäten“, Anna lächelt vielsagend, „auf jeden Fall waren die beiden schon nach kurzer Zeit ein Paar.“
„Mir würde der auch gefallen! Ich habe ihn schon mit seinen zwei Weimaranern am Strand gesehen! Den würde ich nicht von der Bettkante stoßen“, grinst Katharina.
„Ein alter Sack“, bemerkt Felix abfällig, „Du bist ja voll gruselig, Kathy.“
„Der schaut mit seinen Ende 30 durchtrainierter und fitter aus als die meisten Zwanzigjährigen“, erwidert Katharina.
„Was aber wirklich komisch ist, dass diese Pferdefrau kaum Kontakte zu den anderen Leuten auf der Insel hat. Sie lebt auf ihrem Hof und spricht nur mit ihren Pferdeleuten, als ob sie etwas zu verbergen hätte. Einige Leute, die sich bei ihr zum Strandritt anmelden wollten, haben sich auch schon beschwert, weil sie sie abgewiesen hat. Die Begründung ist, sie könnten nicht reiten. Seitdem die den Reitstall übernommen hat, muss ein immenser Kundenschwund eingesetzt haben. Geld scheint wohl nicht so das Problem zu sein.“ Jan sieht die anderen erwartungsvoll an, so, als ob er sich der Wirkung seiner Worte vergewissern will.
„Aber warum ausgerechnet bei der ins Haus? Es gibt doch genug andere Bekloppte auf dieser Insel“, schlägt Felix in dieselbe Kerbe wie Katharina. Er kann sich einfach nicht mit dieser Idee anfreunden. Mit seinem missmutigen Gesichtsausdruck sieht er aus wie ein trotziges Kind.
Anna blickt Felix mitleidig an: „Komm doch einfach mit uns mit und schau dir die Hütte mit eigenen Augen an. Befriedige deine Neugier und nutze die einmalige Chance, da die Bewohner der Villa ausgeflogen sind.“
„So oder so“, beendet Jan die Diskussion, „ist jetzt Schluss mit der Nörgelei.“  Katharina stimmt mit ein: „ Ja, ist doch spannend, mal hinter die Kulissen zu sehen.“
Auch Karl gibt seinen Widerstand auf. „Okay, ich bin schon neugierig!“
Felix hat nun alle gegen sich.  „Es ist nicht so, dass ich mich davor drücken will, aber ich halte es für ausgemachten Blödsinn“, Felix unterbricht sich und überlegt ein paar Sekunden. „Okay, ich komme mit, aber wir gehen kein unnötiges Risiko ein.“
„Also, dann mal los!“ Die Pferdemädels sind alle von ihren Müttern abgeholt worden, Jans Wagen parkt nun allein vor der Reithalle. Da es jetzt um die Mittagszeit ist, macht alles einen friedlichen Eindruck. Bis zum Abend-Strandritt sind es noch vier Stunden. „Bist du sicher, dass wir nicht auffliegen?“ fragt Felix und schaut sich argwöhnisch auf dem Gelände um.
„Du riskierst allerhöchstens, dass dich der Afghanistan-Krieger gefangen nimmt und dich nackt auspeitscht, alter Schisser“, verspottet Jan Felix und lacht hämisch.
Von der Reithalle führt ein schmaler Weg an einer Stallung vorbei zu dem Privathaus. Sie passieren ein Schild, auf dem steht: „PRIVAT. ZUTRITT VERBOTEN.“. Jan läuft voran, gleich hinter ihm Anna und die anderen, Felix bildet die Nachhut.  Als sie auf dem kleinen Platz vor dem modernen Haus mit seinen bis zum Boden reichenden Fenstern stehen, hält Jan nochmal kurz inne und gibt seine letzten Anweisungen: „Passt auf! Vorsicht ist jetzt angesagt: Nichts mitgehen lassen und keine Fingerabdrücke! Wenn ihr irgendetwas anfassen solltet, bitte nachher abwischen!“
„Alles klar, Chef, aber wenn wir etwas Interessantes sehen, können wir doch ein paar Fotos machen?“ Katharina sieht Jan fragend an.
„Solange du im Haus keine Selfies mit dir und der Inneneinrichtung machst, die dann alle auf Facebook sehen können, ist alles in Ordnung“, stellt Jan klar.
Er nimmt Annas Hand und geht am Haupteingang vorbei.
„Auf der linken Seite des Hauses gibt es einen Nebeneingang, der Schlüssel liegt praktischerweise unter der Fußmatte. Dahinter ist eine Ankleide mit den persönlichen Sachen der Pferdefrau, wie Pferdedecken und Reithosen und so weiter. Von da aus kommen wir in die anderen Räume des Hauses. Vertraut mir, Alina kennt sich aus, die hat ihre Reitsachen auch dort.“
Alle sehen Felix an, der eine Schnute zieht wie ein bockiges Kind. Er zuckt mit den Schultern. „Ihr wollt da wirklich rein? Ihr wisst, ich habe euch gewarnt.“ Felix ist genervt. Aber als er merkt, wie ihn alle anschauen, ringt er sich ein Lächeln ab. „Okay, okay. Ich komme mit.”
Anna gibt ihm spontan einen Kuss auf die Wange. “Na also, geht doch…”

Weiter mit Kapitel 4 bis 20:

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