Kapitel 1
Consuelo und Reval

Eschenbruch, 30.07.13 Consuelo mit Fliegenmütze und Decke mit seinen Kumpel Dexter auf der Weide

Consuelo mit Fliegenmütze und Decke mit seinen Kumpel Reval auf der Weide

XXL-Leseprobe Kapitel 1-3:

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Als Anne viel zu früh aufwacht, schlafen Christian und die Hunde noch. Schnell zieht sie sich an, ohne die anderen zu wecken. Auf das Frühstück verzichtet sie, im Übrigen hat sie auch keinen Hunger. Stattdessen spürt sie eine Euphorie, während sie in der Eingangshalle die Haustür öffnet. Sie hält kurz den Türgriff fest und sieht vor sich auf die Reitanlage, die von den noch bleichen kühlen Strahlen der Morgensonne beschienen wird. Anne Merz atmet mehrmals tief durch. Ein leichter Westwind weht, sie riecht das Meer und hört das energische Kreischen der Möwen. Ein vertrautes Geräusch, das sie nun seit mehr als einem Jahr begleitet. Aber zuhause fühlt sie sich nicht. Die morgendliche Stimmung wirkt anregend, und sie ist voller Tatendrang.
Anne muss an gestern Abend denken.  „Gott sei Dank, dass wir noch den letzten Autozug zur Insel erwischt haben, so waren wir früher zurück als geplant.“
Anne zieht die Tür hinter sich zu und geht zielstrebig über den knirschenden Kiesweg zum Pferdestall. Dabei überquert sie den leeren kleinen Parkplatz, der vor der Reithalle liegt.  Als sie das große Tor öffnet, taucht sie ein in ihr Universum. Sie genießt diesen wunderbaren Augenblick, wenn ihre Pferde sie mit einem leisen Wiehern begrüßen. Auf ihrem Weg durch die Stallgasse betrachtet sie eines nach dem anderen, rechts und links. Anne Merz, schlank und groß, hat dunkelblonde kurze Haare.
Jetzt in der Hochsaison befinden sich viele Privatpferde in den Boxen, aber schon nach wenigen Tagen gehören sie zur Familie. Fast alle ihre Schul- und Turnierpferde leben sowohl im Winter als auch im Sommer Tag und Nacht in Gruppen im Offenstall mit Paddock.
Schließlich steht sie vor Consuelo und Reval, die sie und Christian gestern Abend vom Festland mitgebracht und nebeneinander in jeweils eine Einzelbox gestellt haben. Sie tritt sehr nah an Consuelo heran, bis sie mit ihrem Mund fast sein Maul berührt und haucht ihn an. Consuelo atmet tief ein, hebt den Kopf und stülpt die Oberlippe hoch bis über die Nüstern. Er liebt diesen Geruch, den er schon kennt, seit er ein Fohlen ist. Das ist seine Art Anne „Guten Morgen“, zu sagen. „Wie habe ich dich vermisst! Als nächstes werde ich für euch eine passende Pferdefamilie finden“, denkt sie, als gerade die Sonnenstrahlen das dunkelbraune Fell von Consuelo zum Leuchten bringen. Mit ihm hat sie unzählige Springturniere gewonnen. Consuelo ist ein dunkelbrauner Holsteiner Wallach. Auf seiner Stirn trägt er ein sichelförmiges Abzeichen und an seinem Maul hat er eine Schnippe. Nun schaut er sie mit großen Augen und nach vorne gerichteten, gespitzten Ohren an.
„Ihr wollt raus aus dem Stall, das ist klar“, denkt Anne. Dann geht sie zu Reval in die Nachbarbox und begrüßt auch ihn. Reval ist ein hellbraunes Pony mit einer breiten Blesse am Kopf und hat genauso wie Consuelo eine Schnippe. Die beiden sind auf Gut Friedrich die besten Freunde gewesen, und Anne käme nie auf die Idee, sie zu trennen.  Sie legt beiden ein Halfter um, um sie auf einen von zwei Paddocks zu stellen, die direkt nebeneinander liegen. In einem stehen einige ihrer Schulpferde. Sie hofft, dass diese Gruppe die richtige für die zwei ist. Als Anne mit Consuelo und Reval auf dem großen Paddock ankommt, nutzt der Holsteiner die Freifläche, um einmal ordentlich zu toben. Consuelo ist eines dieser temperamentvollen Pferde, die viel Bewegung brauchen. Reval fängt dagegen sofort an, seine neue Umgebung zu beschnüffeln.
„Sie haben den Transport gut überstanden und werden sich hier wohlfühlen“, da ist sich Anne sicher. Es hat sie einige Überredungskünste gekostet, Consuelo und Reval vom Gut Friedrich in ihren Stall zu holen. Denn Alexander Rilk sträubte sich lange. „Es gibt gute Gründe, warum Consuelo und Reval besser hier auf Gut Friedrich aufgehoben sind“, hatte er gesagt. Und diese Gründe sind nicht aus der Luft gegriffen. Aber nun ist alles ganz weit weg, das Gut in Lingen mit der Reitanlage und dem Gestüt, dort ist ihr Zuhause. Und nach ihrem zuhause sehnt sie sich immer wieder. Aber nun scheint das Gut unerreichbar weit entfernt zu sein. Sie spürt ein Heimweh, das von ihr Besitz ergreift. Für einen Moment kann sie an nichts anderes mehr denken.
Nachdem Consuelo sich ausgetobt hat, nimmt er schon Kontakt mit seinen Artgenossen auf der anderen Seite des Zauns auf. Er trabt mit viel Schwung aufgeregt am gemeinsamen Zaun entlang. „Typisch Männer, immer dieses Imponiergehabe!“ denkt Anne. Sie fühlt etwas Feuchtes an ihrem nackten Bein, der Weimaraner Rüde Max hat sie mit seiner Schnauze angestubst. In diesem Moment taucht auch die Hündin Emma auf, die sie schwanzwedelnd begrüßt. „Hat euch das Herrchen losgeschickt, um nach mir zu suchen?“ Sie streichelt die beiden.
„Ach, hier bist du!“ Christian gibt ihr einen Kuss auf den Mund und lächelt sie an. „Schon ausgeschlafen? Du warst aber früh auf. Du hättest mich ruhig wecken können.“
„Du hast so schön geschlafen, und du bist ja gestern auch den ganzen Tag gefahren.“
„Das hat mir nichts ausgemacht.“
Christian Schmidt ist wie durch ein Wunder in ihr Leben gekommen, so empfindet sie es jedenfalls. Er hat kurze blonde Haare, blaue Augen und ist ein muskulöser Typ. Christian ist so schnell zu einem unverzichtbaren Bestandteil ihres Lebens geworden, dass es ihr manchmal Angst macht. Sie lernte ihn kennen, als er sich bei ihr für die Stelle als Reitlehrer beworben hat. Sie erinnert sich an seine Kurzbiografie: Zeitsoldat, 13. Panzergrenadier Bataillon. Er hat sich freiwillig zum Afghanistaneinsatz der Bundeswehr gemeldet und ist vier Jahre mit kurzen Unterbrechungen am Hindukusch gewesen. Christian wirkte ruhig, fröhlich und stark und wollte einen Neuanfang wagen. Seine Qualifikation für den Job als Reitlehrer war eher dünn. Er hat als Jugendlicher Turniere geritten und wuchs auf dem Hof seiner Eltern auf, die selber Pferde besaßen. Anne hatte zu ihm gesagt, dass er zusätzlich zu seiner Arbeit hier an der Reitanlage die Ausbildung zum Pferdewirt nachholen müsse. Damals antwortete er, dass es für ihn kein Problem wäre, was sie überraschte, denn er ist schon 37 Jahre.
„Ich würde gern an den Strand reiten, kommst du mit?“
„Sollten wir nicht erst frühstücken?“ Sie lächelt, Christian ist immer so vernünftig.
„Nein, lass uns jetzt reiten, es ist um diese Uhrzeit so ruhig. Und wenn du deine Hunde mitnimmst, erschrecken wir keinen, weil die Touristen alle noch im Bett liegen. Ich werde mit Senseo ausreiten, da Consuelo noch eine Woche braucht, bis er sich an seine neue Umgebung gewöhnt hat.“
Das Meer! Über ein Jahr lebt Anne jetzt schon auf der Insel, aber immer wenn sie nach der letzten Dünenkette den menschenleeren weißen Sandstrand sieht und das Meer, kraftvoll, unendlich weit mit unzähligen, kleinen weißen Wolken, die über das Wasser ziehen, bekommt sie eine Gänsehaut.
Sie dreht sich um zu ihrem Freund.  Christian sitzt entspannt im Sattel. Max läuft rechts neben ihm und auf der anderen Seite Emma. Seine Augen sind halb geschlossen, und er genießt die Sonnenstrahlen auf seinem Gesicht. Sein weißes T-Shirt schmiegt sich an seinen Oberkörper. Möglicherweise spürt er, dass ihre Blicke auf seinem Körper ruhen. Sie hat nicht geglaubt, dass er ja sagen würde zu dem spontanen Ausritt ans Meer. Aber er, ein eher bedächtiger und wenig spontaner Mensch, hatte ihr zu liebe auf sein Frühstück verzichtet und augenblicklich sein Pferd Renault, einen hellbraunen westfälischen Wallach, gesattelt. Fünf Minuten später sind sie losgeritten.
Senseo spürt schon, dass Anne angaloppieren will. Eine halbe Parade und er stürmt los. Als der Wind eine Pause einlegt, und die Sonne von Osten über die Dünenkette blitzt, scheint ihr, als ob Senseo Flügel bekommen hätte. Sie fliegen über den weißen Sand am Meer entlang. Anne genießt das Gefühl, eins zu sein mit Senseo, jede Faser seines Körpers zu spüren und jeden Galoppsprung mitzuempfinden. Sie hätte ewig so weiter reiten können, sie fühlt sich frei.
Nach ungefähr zehn Minuten pariert sie Senseo zum Halt durch und steigt ab. Christian ist weit zurückgefallen und nur noch als kleiner Punkt am Horizont zu erkennen. Der Strand ist immer noch menschenleer. Sie fixiert den Zügel mit Hilfe der Steigbügel am Sattel, damit er nicht nach vorne fallen kann und zieht sich bis auf ihren Bikini aus, der das gleiche Blau wie ihre Augen hat. Sie springt ins Wasser und lässt die Wellen über ihren Kopf schlagen. Es ist ein herrliches, prickelndes Gefühl, das salzige Wasser auf ihrer Haut zu spüren. Als sie ans Ufer zurückkehrt, wird sie schon von Max und Emma begrüßt, die so tun, als ob sie sich schon lange nicht mehr gesehen haben. Christian steigt ab und zieht sein weißes T-Shirt aus.
„Ich bin immer wieder überrascht, wie schnell Senseo ist! Dass ihr so davonziehen würdet, hätte ich jetzt nicht erwartet.“
Sie schaut ihn lachend an. „Ach, das bisschen Galoppieren ist doch nichts Besonderes.”
„Nichts Besonderes, natürlich Anne“, grinst er, als er ihr sein T-Shirt gibt, damit sie sich abtrocknen kann. „Noch nicht mal ein Handtuch haben wir dabei.“
Sie schmiegt sich an sein T-Shirt und lacht: „Wie du siehst, geht es auch ohne. Manchmal hat man einfach Lust etwas Verrücktes zu machen, und heute ist so ein Tag. Und du bist da, Chris!“
Dieser Ausritt scheint ihr plötzlich irgendwie unwirklich – fast wie ein Traum. Sie denkt für sich, „Das fühlt sich genauso an, wie damals, als ich als junges Mädchen zum ersten Mal ein S-Springen gewonnen habe. Mein Vater, der damals zugesehen hat, hatte Tränen in den Augen.”
Sie betrachtet ihn. Christian mit seinem athletischem Körper und seinem frischen Gesicht wirkt noch immer jugendlich. Nur an den leichten Lachfältchen an Mund und Augen ist zu erkennen, dass er auf die Vierzig zugeht.  Sie muss sich anstrengen, nicht weiter ihren Tagträumen nachzuhängen.
„Schade, dass die schönsten Momente immer so schnell vorbei sind!“ sagt Anne, als sie wieder zu Hause sind und gemeinsam die Villa durch die Ankleide betreten.
Christian nimmt sich eine neue Reithose und ein sauberes Hemd aus dem Schrank: „Ich gebe um 9 Uhr Unterricht, lass uns noch schnell gemeinsam frühstücken.“
„Ja, das machen wir! Und: Danke Chris, dass du mitgekommen bist. Du weißt gar nicht, welch großen Gefallen du mir damit getan hast.“
„Wenn ich gewusst hätte, dass es dir so viel bedeutet, wäre ich schon früher einmal mitgekommen.“ Sie lächelt glücklich und empfindet plötzlich eine so tiefe Liebe zu Christian, dass es ihr Angst macht. Er nimmt ihre Hand, und sie gehen auf die Terrasse, um zu frühstücken.
„Du und deine Pferde, Anne. Für dich gibt es nichts anderes“, grinst Christian und verschlingt hungrig sein Rührei.  „Dabei stand es einmal auf Messers Schneide. Fast wäre ich nie mehr geritten.“ Anne nimmt einen Schluck von ihrem Latte Macchiato.
„Das kann ich mir ja gar nicht vorstellen.“
„Tja, und trotzdem war es so. Ich war gerade 18 geworden und bei einem Sprung über 1,30 Meter überschlug ich mich mit Charlie, meinem Holsteiner Wallach. Danach lag ich sechs Wochen im Krankenhaus und war erst nach einem halben Jahr wieder fit. Aber das Schlimmste war, dass mein Charlie so schwer verletzt war, dass er eingeschläfert werden musste. Weil ich einen Blackout hatte, habe ich ihn nie wiedergesehen. Ich bin vorher unzählige Male über solche Hindernishöhen gesprungen und habe mit ihm viele Turniere gewonnen. Irgendwie spürte ich an diesem Tag, dass er nicht gut drauf war. Aber ich wollte dieses Turnier unbedingt gewinnen, deswegen bin ich geritten. Mein Vater hatte mir Charlie zu meinem zwölften Geburtstag geschenkt, und ich habe ihn über alles geliebt.“Christian sieht mitfühlend zu Anne hinüber. „Da hätte wohl jeder Verständnis gehabt, wenn du nie mehr auf ein Pferd gestiegen wärst.“ „Dann würde mir etwas fehlen in meinem Leben!“ „Wir haben ja gestern Reval und Consuelo geholt. Warum ist Consuelo so wichtig für dich?“
„Der Zufall wollte es, dass er am selben Tag geboren wurde, als Charlie starb. Er ist sein Halbbruder, da beide denselben Vater, Cristo, haben. Ich kann mich noch genau daran erinnern: Durch das Fenster meines Zimmers konnte ich auch die Fohlenwiese sehen. Dort stand Consuelo mit den anderen Fohlen. Ich wusste immer, wann er spielen wollte. Als ich auf die Weide ging, startete er seine Akrobatik. Consuelo galoppierte auf mich zu, machte kurz vor mir einen Stopp, rutschte auf mich zu, bis er mich fast berührte, um dann eine Pirouette zu machen und in entgegengesetzter Richtung wie vom Teufel getrieben davon zu galoppieren. Und wir hatten alle Spaß, die Fohlen und ich. Sie kamen, um an einem zu knabbern und um gestreichelt zu werden. Ich habe Consuelo beigebracht meinen Handschuh zu holen: Wenn ich ihn wegwerfe, holt er ihn mir wieder.“
Christian schaut Anne ungläubig an: „Spielen die Fohlen nicht lieber untereinander?“
„Pferde lieben es auch mit Menschen zu spielen, weil sie so neue Spiele kennenlernen können. Consuelo mag zum Beispiel ‚Verstecken‘ besonders gerne.“
Christian schüttelt seinen Kopf und lacht: „Verstecken spielen?“.
Wenig später verlässt ihr Freund das Haus. Anne sieht ihm noch nach, wie er mit Max und Emma durch die Haustür geht und dann ihren Blicken entschwindet. Sie wendet sich ab und bleibt noch eine Weile gedankenverloren stehen. Sie spürt das große Haus, in dem sie nun allein ist, und empfindet eine Leere. Das Gefühl der Beschwingtheit ist wie weggeblasen. Plötzlich hat sie das Bild ihres Vaters vor Augen, wie er an ihrem Krankenbett steht, um ihr mit traurigem Gesicht mitzuteilen, dass ihr geliebtes Pferd Charlie gestorben ist.
„Das Gespräch mit Christian hat das ausgelöst“, denkt Anne. Sie verscheucht die trüben Gedanken und betritt das gemeinsame Schlafzimmer, um sich umzuziehen. Unwillkürlich fällt ihr Blick auf ihren Sekretär. Hier bewahrt sie etwas auf, das nur für sie bestimmt ist. Alte schmerzhafte Erinnerungen werden wachen. In manchen Nächten träumt sie von zuhause, von den verstorbenen Eltern, den Pferden, dem Gut, den Bäumen und Wiesen. Ihre Muskeln spannen sich an. Sie spürt eine Bedrohung. Instinktiv will sie ihr neues Leben an der Seite von Christian beschützen. Ihr ist durch diesen Ausritt klar geworden, wie nah sie beide sich stehen.
Ungefähr eine Stunde später entscheidet sich Anne, eine von Christians Reitstunden zu besuchen. Sie ist gespannt, wie er das meistern wird. Als Anne zum Sandplatz kommt, sieht sie Christian auf der Aufstiegshilfe stehen. Er hat seine Arme vor der Brust verschränkt.
„Kontrollieren Sie Ihren Sitz, Frau Frank! Die Hacken sind der tiefste Punkt.“ Anne bleibt am Zaun stehen, ohne sich bemerkbar zu machen und verfolgt den Unterricht.
„Sie fallen zu stark nach hinten. Sie müssen sich wieder in die Balance bringen. Dann verkrampfen Sie auch nicht.“ Eine Frau mittleren Alters dreht auf dem Rücken vom geduldigen Abano ihre Runden. Die Zügel hält sie erstaunlich gut, aber leider zieht sie den Absatz hoch und schiebt ihre Unterschenkel nach vorne. Sie hat sich einen Stuhlsitz angewöhnt.
„Hartes Brot, ihr den wieder abzugewöhnen“, denkt Anne.
Julia Jansen, ihre Mitarbeiterin, winkt Anne zu. Sie kommt gerade zum Dressurplatz.  Julia, nur ein Jahr jünger als Anne, hat hier schon gearbeitet, bevor Anne den Reitstall übernahm. Sie ist die zuverlässigste Mitarbeiterin, die man sich vorstellen kann. Julia hat ihren Enthusiasmus für Pferde nie verloren, seitdem sie ein Mädchen war. Sie verbringt weit mehr als acht Stunden am Tag hier mit den Pferden.
„Moin Anne, wir brauchen dringend wieder Regen. Unsere Weiden könnten ihn gut vertragen.“
„Hi Julia, sag‘ das mal unseren Touristen, Regen, das ist für die ja der Albtraum schlechthin.“
„Wie macht sich Christian?“ fragt Anne so leise, dass es außer Julia niemand hören kann.
„Christian musste ja wieder von vorne anfangen, hatte ewig nicht geritten. Ich hätte nicht damit gerechnet, dass es gut geht, gerade bei einem Mann.“ Anne lacht.
„Wie meinst du das denn, Julia?“
„Da hilft alles nichts. Reiten war mal ein Männersport, aber das ist jetzt schon 30 Jahre her. Pferde lenkt man nicht mit roher Kraft. Alles, was du brauchst, ist Technik und Einfühlungsvermögen. Beim letzteren hapert es doch bekanntlich bei den Männern häufig. “
„Immerhin sind die meisten international erfolgreichen Springreiter männlich!“
„Auch das wird sich ändern. Aber dein Christian ist wirklich ein Talent. Er reitet nicht nur hervorragend, sondern kommt auch bei den Frauen gut an. Seine Stunden sind alle ausgebucht. Die Touristinnen fangen mit einer Stunde an. Danach nehmen sie bis zum Ende ihres Urlaubes jeden Tag eine Stunde.“
„Ja, er hat ein Feeling für Pferde.“
“Und für Frauen“, ergänzt Julia, „und was ich dir noch sagen wollte, Anne, gestern waren Alinas Freunde hier……“ Anne unterbricht sie, „Alinas Freunde? Erzähl mir das später. Ich muss jetzt schnell Einkaufen fahren.“Als sie ihren roten Audi A4 Cabrio Richtung Westerland lenkt, verfliegen ihre Ängste. Der Fahrtwind zaust durch ihre kurzen Haare, und die Sonne bescheint ihr Gesicht. Das Leben kann so schön sein.

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Weiter mit Kapitel 4 bis 20:

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